Müller: Wohnungen sind keine Hotelzimmer
Zur von der Landeshauptstadt Erfurt in Auftrag gegebenen aktuellen Studie „Zweckentfremdung von Wohnraum in Erfurt“ erklärt Anja Müller, wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag:
„Die vorgelegte Untersuchung zeigt deutlich: Zweckentfremdung von Wohnraum ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein wachsendes Problem auf angespannten Wohnungsmärkten. In Erfurt werden nach den Ergebnissen der Studie rund 850 bis 1.000 Wohnungen dem regulären Wohnungsmarkt entzogen und als Ferienwohnungen genutzt. Während viele Menschen händeringend bezahlbaren Wohnraum suchen, verschwinden Wohnungen zunehmend in der Kurzzeitvermietung. Die Studie zeigt auch, dass Ferienwohnungen die Mieten in die Höhe treiben. Diese Form des Geschäftemachens von Wohnraumeigentümern und Vermietern geht auf Kosten von Mieterinnen und Mietern. Wir als Die Linke wollen diesem Treiben ein Riegel vorschieben.“
Die Abgeordnete sieht es als besonders problematisch an, dass laut der Studie vor allem kleine Wohnungen zweckentfremdet werden. Dies betreffe also die Wohnungen, die für Studierende, Auszubildende, ältere Menschen oder Alleinstehende dringend gebraucht würden. Doch nicht nur auf Einzelne habe diese Entwicklung Einfluss, auch ganze Stadtteile seien laut Studie von den Auswirkungen betroffen: „Die Studie zeigt deutlich, dass Stadtteile mit einem hohen Anteil an Ferienwohnungen seit 2022 erheblich stärkere Mietsteigerungen verzeichnen. Ein um nur einen Prozentpunkt höherer Anteil an Ferienwohnungen kann laut Untersuchung mit bis zu sechs Prozent höheren Angebotsmieten verbunden sein. Wohnungen sind zum Wohnen da und keine Hotelzimmer“, betont Müller.
Die Abgeordnete fordert die Regierungskoalition auf, gemeinsam mit der Fraktion Die Linke Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die diesen preistreibenden Entwicklungen einen Riegel vorschieben: „Die Ergebnisse der Studie zur Situation in Erfurt sind eine klare Aufforderung, endlich zu handeln. Wir als Die Linke haben einen Gesetzentwurf für soziales Wohnen in Thüringen auf den Weg gebracht, in dem Maßnahmen gegen Zweckentfremdung verankert sind. Damit Kommunen wirksam etwas gegen Zweckentfremdung tun können, braucht es das Handeln im Landtag und eine gesetzliche Grundlage. Erst damit bekommen die Thüringer Kommunen die Handlungsinstrumente, die sie brauchen und seit Langem einfordern. So können Städte und Gemeinden wirksam gegensteuern und dazu beitragen, dass vor Ort wieder mehr bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.“

