Fasanen- Adel und Kartoffelkäferjagd
An einem interessanten Vortrag zur Hildburghäuser Lokalgeschichte nahm kürzlich auch das Wahlkreisbüro Ronald Hande teil. Hier ein Bericht davon:
Sie prägte lange Zeit das Bild des Hildburghäuser Stadtrandes, wenn man in Richtung Unterland fuhr: Die „Fasanerie“. Wie sie entstand und welche Rolle Fasanenzucht und – jagd in Hildburghausen einst spielten, referierte kürzlich Thomas Stäblein in der Galerie „HibuArt“ in der Kreisstadt.
Anekdotenreich schlug der Vortragende den Bogen von der Antike bis zu gegenwärtigen Zeiten des Klimawandels. So waren Fasane in Europa ursprünglich nicht heimisch, dafür aber ihr engster Verwandter, das Rebhuhn. Vermutet wird, das Germanen, welche im Bereich des Limes auf Römer stießen, durch diese mit den Tieren Bekanntschaft machten.
Erwiesen scheint, das die Merowinger unter König Chlodwig um 500 u.Z. bereits Fasanenhaltung betrieben und Karl der Große hielt dies 812 in seiner Landgüterverordnung fest.
Lange Zeit war die Beschäftigung mit den als edel geltenden Tieren dem Adel vorbehalten.
Um 1500 ließ Friedrich der Weise Fasane in Sachsen aussetzen.
1680 begann die Geschichte ihrer Haltung auch in Hildburghausen. So erstreckte sich in Friedrichsanfang ein entsprechendes Areal bis zur heutigen Eisfelder Straße. Ein Kupferstich von 1721 zeigt das „Blaue Bad“ im Hildburghäuser Schloßpark, welches zuvor als Menagerie fungierte und eben auch Fasane beherbergte. Herzog Ernst Friedrich erließ ein Edikt, das gezüchtete Fasane frei zu lassen seien, die Jagd nach dem Geflügel galt als erwünschtes Vergnügen. Dieses wurde nicht nur mit Apportierhunden, sondern auch mittels Blendlampen betrieben. Bis 1826 lassen sich Spuren der Fasanenhaltung auch auf dem Gebiet des Guts Friedenthal zurück verfolgen. Bis 1911 wurden Haltung und Jagd in der Region noch weiter ausgedehnt. So nutzte die Fasanerie Hermannsfeld zur Kükenaufzucht beispielsweise tierisches Futter aus Ameisen und deren Puppen in großem Umfang.
Einen Einschnitt bedeutete das Kriegsende 1918. Die Ernährungssituation führte zu einer massiven Dezimierung der Fasanenbestände. Das änderte sich erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs. In der SBZ (sowjetische Besatzungszone) und der späteren DDR wurden bis 1970 wiederholt Anstrengungen zur Bestandserhöhung unternommen.
Die Verantwortung für die Zucht wurde nicht der Landwirtschaft, sondern den staatlichen Forstbetrieben und deren Verwaltung übertragen, weil Fasane als „jagdbares Wild“ galten. Eine damals aufgestellte Theorie, das Fasane bei der Bekämpfung des Kartoffelkäfers als Schädlingsvertilger hilfreich sein könnten, bestätigte sich nicht. Dennoch wurde der Fasanenzucht erhöhtes Augenmerk zuteil, auch im Bereich des Stadtbergs. Hier entstand 1967 durch gezielte Erweiterung die größte Fasanerie der DDR. Diese war vor Verlusten nicht gefeit. So waren die Verantwortlichen in einem solchen Fall gezwungen, die Aufzucht anschließend mit ganzen elf zur Verfügung stehenden Eiern fortzusetzen. Während der Ausbau der regionalen Landwirtschaft die wildlebenden Bestände ebenfalls verringerte, erwiesen sich Füchse, Marder, Hermeline und Krähen auch in der Aufzuchtanlage wiederholt als einfallende Fressfeinde. Ein besonderer Verlust von Tausenden Zuchttieren war 1988 zu verzeichnen, welche hier auf Grund kaputter Netzabdeckungen das Weite suchen konnten. Nach 1989 kam der Betrieb trotz wiederholter Versuche nicht mehr auf die Beine. Heute sind Fasane kaum noch in Thüringen zu finden. Wurden durch die Förster 1989 noch 4000 erlegte Tiere gezählt, waren es 2012 nur noch 252 Stück und 2022 ganze 153 Exemplare.
Die Fläche der ehemaligen Fasanerie ist für die Zucht eigentlich auch nicht geeignet, liegt sie doch mehr als 200 Meter über dem Meeresspiegel, was nicht den idealen Lebensbedingungen dieser Tiere entspricht.
Die Fasanenbestände nehmen aber auch in ganz Deutschland weiterhin ab. Ob der andauernde Klimawandel eine mögliche Versteppung von großen Gebietsarealen und damit irgendwann auch günstigere Siedlungsbedingungen für wild lebende Fasane hervorbringt, kann bisher nur vermutet werden.
Foto: Mathias Günther

