21. Dezember 2017

Strukturwandel im Braunkohlerevier gemeinsam gestalten!

Tagungsort: Zentralwerkstatt Pfännerhall, Braunsbedra

Unter der Überschrift „Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier“ fand vergangene Woche die Jahreskonferenz der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland statt. Ronald Hande, Sprecher für Landesentwicklung und Landesplanung der Fraktion DIE LINKE. im Thüringer Landtag, spricht sich dabei für einen Wandlungsprozess aus, der die Menschen und Akteure vor Ort aktiv mit einbezieht und neue Perspektiven schafft.

Der Abbau von Braunkohle ist seit Jahrhunderten strukturbestimmend für die Region um Halle und Leipzig. Mit der derzeit laufenden Debatte um die Zukunft des Energieträgers könnte auf das Revier nach dem Umbruch von 1990 ein erneuter Strukturwandel zukommen. Eine verrottete Infrastruktur, enorme Umweltbelastungen und das Hinterlassen einer Mondlandschaft hatte 1990 dazu geführt, dass in der Bevölkerung faktisch keine Akzeptanz mehr für die Braunkohle vorlag. Mittlerweile wurden zahlreiche Tagebaurestlöscher geflutet und zu einer Seenlandschaft entwickelt, die marode Infrastruktur wurde saniert und neue moderne Kraftwerke wurden errichtet. Doch Braunkohle wird in den nächsten zwei Jahrzehnten als Energieträger auslaufen. Für das mitteldeutsche Revier gibt es bereits die Entscheidung, keine neuen Tagebaue und Kraftwerke zu errichten. 2040 wird somit Schluss sein, da die aufgeschlossenen Lagerstätten bis dahin ausgebeutet sein werden.

Es gilt also Perspektiven für die soziale, kulturelle, wirtschaftliche und räumliche Entwicklung zu schaffen und den Strukturwandel schon jetzt aktiv zu gestalten. Diese Herausforderungen bestehen insbesondere in Ostdeutschland und auch in Thüringen. Ausgehend davon setzten sich die Konferenzteilnehmer in drei Arbeitsgruppen zusammen, um Ideen und Strategien zu den Themen Innovation, Industriekultur und Gewässerlandschaft zu entwickeln.

Alle drei Arbeitsgruppen sehen im Zusammenbringen von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven eine wesentliche Voraussetzung für die Gestaltung eines erfolgreichen Strukturwandels in der Region. Es wird wichtig sein, offen, ehrlich und transparent über die anstehenden Herausforderungen zu diskutieren und die Menschen der Region aktiv daran zu beteiligen. Die Lebensleistungen der älteren Bevölkerungsschichten müssen dabei anerkannt und Möglichkeiten der Weitergabe ihres Erfahrungsschatzes geschaffen werden.

Des weiteren war man sich einig, dass sich mit der Förderung von innovationsfreundlichen Strukturen und ihrer Akteure, der Weiterentwicklung erneuerbarer Energien sowie der stofflichen Nutzung der Braunkohle in der chemischen Industrie, neue berufliche Perspektiven ergeben können.

Der Ausbau von Infrastruktur spielte bei allen Arbeitsgruppen eine Schlüsselrolle. Als Voraussetzung für Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen wurde die flächendeckende und gesicherte Breitbandversorgung auch im ländlichen Raum angesehen. Ebenso wichtig ist aber auch der Auf- und Ausbau des interregionalen Nahverkehrs sowie die Förderung von sozialer und kultureller Infrastruktur.

Die einzelnen Regionen wurden dazu aufgefordert, im anstehenden Wandlungsprozess zusammen zu arbeiten. Die gemeinsame Vermarktung der dutzenden Seen als Orte für Freizeit und Tourismus zu Gunsten einer besseren Wahrnehmung kann dabei nur ein erster Schritt sein. In jedem Fall werden die entsprechenden politischen Weichenstellungen sowie die Angleichung der finanziellen Rahmenbedingungen in den Regionen eine entscheidende Rolle spielen.