22. November 2017

Besuch des „Multiplen Hauses“ in Thallwitz

Überalterung und Mobilitätsverlust der Bevölkerung sowie der Wegfall von Dienstleistungen und Teilhabemöglichkeiten in der Nachbarschaft sind Probleme, die in ländlichen Regionen immer häufiger auftreten. Auch die Gemeinde Thallwitz in Sachsen kennt diese Probleme, doch hat sie mit einem sogenannten „Multiplen Haus“ begonnen, einigen von ihnen entgegen zu wirken. Ronald Hande wollte dieses recht neue Projekt vor Ort kennen lernen und ließ sich von Bürgermeister Pöge erklären, wie das „Multiple Haus“ funktioniert.

Ein „Muliples Haus“ ist ein Mehrfunktionshaus, dessen Nutzung täglich wechseln kann. Im Ortsteil Böhlitz der Gemeinde Thallwitz ist es in einer alten Dorfschule untergebracht. Hier erhalten die Bürgerinnen und Bürger zu festen Zeiten eine medizinische Versorgung, können sich vom Sozialamt beraten lassen oder den Gemeinschaftsraum für Veranstaltungen und gemeinsame Treffen nutzen. Über eine Nutzungsgebühr teilen sich die Dienstleister und andere Nutzer das Haus. Aufgrund der Modulbauweise ist es zudem jederzeit für weitere Anforderungen erweiterbar. So könnte zum Beispiel auch ein Verkaufsstelle für einen Bäcker eingerichtet werden.

Der Umsetzung des Projektes war eine intensive Bedarfsanalyse mit Bevölkerungsbefragung vorausgegangen. Schon allein dieser erste Schritt hatte den positiven Nebeneffekt, dass sich ein Friseur und eine Physiotherapie aufgrund der Ergebnisse ermutigt fühlten, eigene Geschäfte im Ort zu eröffnen. In einem zweiten Schritt wurde mit potentiellen Nutzern gesprochen, das Gebäude geplant und eine Kofinanzierung sowie Fördermöglichkeiten gesucht. So gelang es der Gemeinde ihren Eigenanteil der Kosten für den Innenausbaus auf 6.000 € zu reduzieren. Nach etwa zwei Jahren Vorbereitung, Planung und Umbau konnte das „Multiple Haus“ am 28.11.2016 eingeweiht werden.

Es ist seitdem zu einem attraktiven „Stützpunkt“ und Ort der Kommunikation geworden und hat dafür gesorgt, dass mehrere ältere Menschen nicht in die Stadt umgezogen, sondern im Ort geblieben sind.